Die Themen des aktuellen Hefts

Die Geduld Gottes bezeugen

  • Das Thema

    Barmherzigkeit

  • Im Wortlaut

    Wie Gott antwortet

    Boten und Zeugen sein

    Wem wir glauben

  • Römische Notizen

    Weltjugendtag in Rio

  • Heiliger des Monats

    Johannes XXIII.

  • Wort für den Weg

    Für wen haltet ihr mich?

Editorial des aktuellen Hefts

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Papst

in dieser Ausgabe gehen wir einem Begriff nach, den sich Franziskus offenbar zu seinem geistigen Leitstern erkoren hat: Barmherzigkeit.

Ist Gott gerecht oder ist er barmherzig? Wird er, der Liebende, „unbesehen“ alle seine Geschöpfe erlösen? Die Frage wurde und wird innerhalb der katholischen Kirche mit solcher Vehemenz debattiert, dass sich an ihr vor allem eines zeigt: Barmherzigkeit führt in die Mitte des Glaubens selbst.

„Für mich ist die Barmherzigkeit die stärkste Botschaft des Herrn“, sagte Franziskus rundheraus bei einer Messe in der vatikanischen Pfarrkirche Sant´Anna. Und bei seinem ersten Angelusgebet verriet er, in den Tagen rund um die Papstwahl habe er das Buch Barmherzigkeit des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper gelesen, das dieser, sein Zimmernachbar im Konklavehotel, ihm geschenkt hatte. Es habe ihn sehr beeindruckt, weil Barmherzigkeit das Wort sei, das „alles verändert“.

Ende Juli bricht Franziskus zu seiner ersten Auslandsreise nach Brasilien auf, wo er beim Weltjugendtag in Rio mit wohl über einer Million jungen Frauen und Männern den Glauben feiern wird. Dass die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes bei seinen Ansprachen, Predigten und Begegnungen eine Rolle spielen wird, steht fest. Wir laden Sie mit dieser sommerlichen Doppelnummer von GEMEINSAM GLAUBEN dazu ein, sich dem Papst an die Fersen und an die Lippen zu heften. Es lohnt.

Herzlich aus Rom, Gudrun Sailer

Der neue Papst in Text und Bild

Stefan von Kempis: Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet

Papst

Franz von Assisi hatte einen Traum, in dem Gott zu ihm sagte: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Und in der Tat war es die franziskanische Bewegung, die die Kirche in vielen Zerreißproben lebendig hielt, die Ernst machte mit dem Glauben, in großer Liebe zu den einfachen und armen Menschen und zur Schöpfung. Dass der neue Papst sich diesen Namen gegeben hat, den vor ihm kein Papst trug, darf man als Programm verstehen und als Signal für den ersehnten Neuanfang. Dass in vieler Hinsicht die Kirche wieder aufgebaut werden muss, hat auch Benedikt XVI. gewusst, spätestens seit er durch den Bericht der drei Kardinäle über Intrigen und Seilschaften im Vatikan erkennen musste, dass seine Kraft allein nicht reichen würde, der Kirche die nötige Glaubwürdigkeit zurückzugeben, wenn die, die ihn eigentlich unterstützen sollten, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Dass das Konklave so überraschend schnell zu Ende ging, zeigt, dass die Kardinäle in den vorausgehenden Beratungen die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Schlüsse gezogen haben. Sie holten einen Mann, der Erfahrung in der Leitung einer großen Diözese und des damit verbundenen Apparates hat und der vor allem von außerhalb der Kurie kommt. Der also nicht verstrickt ist in das System aus Gefälligkeiten und offenen Rechnungen, Parteiungen und Seilschaften.

Franziskus I. sieht sich als Bischof, gemeinsam unterwegs mit dem Volk Gottes. Vor dem Hintergrund der Umstände der Wahl darf man das als Kritik am römischen Zentralismus und damit auch als Ansage an die Kurie verstehen. Er hat verstanden, dass die Menschen der Kirchenleitung wieder vertrauen müssen und dass auch die Kirchenleitung den Menschen vertrauen muss. Auch seine Bemerkung, dass die Kardinäle den neuen Pontifex „vom Ende der Welt“ holen mussten, darf man wohl so lesen: von möglichst weit weg von der Kurie, damit ein Neuanfang möglich wird. Benedikt XVI. hatte es versucht, und seine Kräfte haben nicht gereicht. Wünschen wir Papst Franziskus, dass er die Kraft hat, sich gegen erwartbare Widerstände durchzusetzen und zudem die im letzten Jahrzehnt entstandene Totalidentifikation von Amt und Person zu ertragen. Dieser neue Papst, der die Menschen mit „Guten Abend“ begrüßte und sich mit „Gute Nacht“ verabschiedete, erinnert in seiner Einfachheit an Johannes XXIII. Darin, dass er als Erstes ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du Maria für seinen Vorgänger betete, dass er am Anfang des „gemeinsamen Wegs“ um das Gebet der Gläubigen bat und um ihren Segen, bevor er sie segnete, zeigt sich ein liebenswürdiger und großartiger Mensch, der hoffen lässt.

Nach der Papstwahl 2005 wurde gesagt, dass Kardinal Bergoglio die zweitmeisten Stimmen gehabt und durch seinen Rücktritt den Weg für Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. frei gemacht habe. Nun hat Benedikt XVI. durch seinen Rücktritt den Weg frei gemacht für Jorge Mario Bergoglio/Franziskus I. Darin zeigt sich nicht nur, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist. Noch vielmehr zeigt sich darin, dass sie immer wieder in der Geschichte, so wie jetzt, auf fast unerklärliche Weise und wohl auch ein bisschen mit der Hilfe des Heiligen Geistes imstande ist, eine unglaubliche Kraft zur Reform und zum Neuanfang aufzubringen.

Burkhard Menke



Stefan von Kempis: Franziskus I. Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet
156 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos, durchgehend vierfarbig
€ 19,99 / SFr 28.90 / €[A] 20,60
ISBN 978-3-451-33408-5
Ein Gemeinschaftsprojekt des Verlags Herder und der Verlagsgruppe Weltbild

Jetzt bestellen!

Die nächsten Ausgaben

Themen der nächsten Ausgaben

Zeitschrift
  • August/September

    Nicht nur in seiner bemerkenswerten Rede während der Kardinalsberatungen vor dem Konklave sprach Franziskus davon, dass es darum geht, die frohe Botschaft an die Ränder der Kirche und darüber hinaus zu tragen. Dieser Gedanke steht im Zentrum des Heftes für August/September.