Die Themen des aktuellen Hefts

Wie Glaube wirklich wird

  • Das Thema

    Beten

  • Im Wortlaut

    Arm sein vor Gott

    Solidarisch leben

    Einladend glauben

  • Römische Notizen

    Heiligsprechung

  • Heilige des Monats

    Johannes XXIII.

    Johannes Paul II.

  • Wort für den Weg

    Fusswaschung

Editorial des aktuellen Hefts

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Papst

Jesus hat kein Lehrsystem entfaltet, sondern Menschen in die Nachfolge gerufen. Glaube ist das Wachsen einer Beziehung – im Großen wie im Kleinen: in der Geschichte des Volkes Gottes mit seinem Gott ebenso wie in der Geschichte jeder und jedes Gläubigen. Beziehung lebt von erfahrener Nähe, von geteilter Zeit, von der Freude am anderen, vom Ertragen des anderen, von Neugierde und Geduld und vom Austausch an guten und an schlechten Tagen. Ohne gemeinsam verbrachte Zeit stirbt das Miteinander früher oder später den Entfremdungstod.

Deshalb steht und fällt der Glaube mit dem Beten. Nicht, weil wir Gott damit einen Gefallen täten. Er braucht unser Gebet nicht. Wir brauchen es, damit wir seine Nähe wahrnehmen können und unser Glaube frisch bleibt, unsere Liebe wach und unsere Hoffnung stark. Damit wir anders leben können.

Gemeinsam glauben heißt deshalb auch gemeinsam beten, miteinander und füreinander – natürlich auch mit dem Papst und vor allem für ihn. In seinem eigenen Beten hat er, so zeigt sich, keinen Amtsbonus, sondern gehört er zum Fußvolk der Gläubigen; umso mehr braucht er das Gebet der anderen und umso wertvoller sind seine Impulse aus eigener Erfahrung, von denen wir hier einige vermitteln können.

*

Wegen eines beruflichen Wechsels muss ich mich mit diesem Heft aus dem Gemeinsam Glauben -Team und von Ihnen verabschieden. Ich bedanke mich für Ihre Verbundenheit mit unserer Zeitschrift und wünsche Ihnen auch weiterhin Freude daran.

Ihr Burkhard Menke

Der neue Papst in Text und Bild

Stefan von Kempis: Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet

Papst

Franz von Assisi hatte einen Traum, in dem Gott zu ihm sagte: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Und in der Tat war es die franziskanische Bewegung, die die Kirche in vielen Zerreißproben lebendig hielt, die Ernst machte mit dem Glauben, in großer Liebe zu den einfachen und armen Menschen und zur Schöpfung. Dass der neue Papst sich diesen Namen gegeben hat, den vor ihm kein Papst trug, darf man als Programm verstehen und als Signal für den ersehnten Neuanfang. Dass in vieler Hinsicht die Kirche wieder aufgebaut werden muss, hat auch Benedikt XVI. gewusst, spätestens seit er durch den Bericht der drei Kardinäle über Intrigen und Seilschaften im Vatikan erkennen musste, dass seine Kraft allein nicht reichen würde, der Kirche die nötige Glaubwürdigkeit zurückzugeben, wenn die, die ihn eigentlich unterstützen sollten, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Dass das Konklave so überraschend schnell zu Ende ging, zeigt, dass die Kardinäle in den vorausgehenden Beratungen die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Schlüsse gezogen haben. Sie holten einen Mann, der Erfahrung in der Leitung einer großen Diözese und des damit verbundenen Apparates hat und der vor allem von außerhalb der Kurie kommt. Der also nicht verstrickt ist in das System aus Gefälligkeiten und offenen Rechnungen, Parteiungen und Seilschaften.

Franziskus I. sieht sich als Bischof, gemeinsam unterwegs mit dem Volk Gottes. Vor dem Hintergrund der Umstände der Wahl darf man das als Kritik am römischen Zentralismus und damit auch als Ansage an die Kurie verstehen. Er hat verstanden, dass die Menschen der Kirchenleitung wieder vertrauen müssen und dass auch die Kirchenleitung den Menschen vertrauen muss. Auch seine Bemerkung, dass die Kardinäle den neuen Pontifex „vom Ende der Welt“ holen mussten, darf man wohl so lesen: von möglichst weit weg von der Kurie, damit ein Neuanfang möglich wird. Benedikt XVI. hatte es versucht, und seine Kräfte haben nicht gereicht. Wünschen wir Papst Franziskus, dass er die Kraft hat, sich gegen erwartbare Widerstände durchzusetzen und zudem die im letzten Jahrzehnt entstandene Totalidentifikation von Amt und Person zu ertragen. Dieser neue Papst, der die Menschen mit „Guten Abend“ begrüßte und sich mit „Gute Nacht“ verabschiedete, erinnert in seiner Einfachheit an Johannes XXIII. Darin, dass er als Erstes ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du Maria für seinen Vorgänger betete, dass er am Anfang des „gemeinsamen Wegs“ um das Gebet der Gläubigen bat und um ihren Segen, bevor er sie segnete, zeigt sich ein liebenswürdiger und großartiger Mensch, der hoffen lässt.

Nach der Papstwahl 2005 wurde gesagt, dass Kardinal Bergoglio die zweitmeisten Stimmen gehabt und durch seinen Rücktritt den Weg für Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. frei gemacht habe. Nun hat Benedikt XVI. durch seinen Rücktritt den Weg frei gemacht für Jorge Mario Bergoglio/Franziskus I. Darin zeigt sich nicht nur, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist. Noch vielmehr zeigt sich darin, dass sie immer wieder in der Geschichte, so wie jetzt, auf fast unerklärliche Weise und wohl auch ein bisschen mit der Hilfe des Heiligen Geistes imstande ist, eine unglaubliche Kraft zur Reform und zum Neuanfang aufzubringen.

Burkhard Menke



Stefan von Kempis: Franziskus I. Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet
156 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos, durchgehend vierfarbig
€ 19,99 / SFr 28.90 / €[A] 20,60
ISBN 978-3-451-33408-5
Ein Gemeinschaftsprojekt des Verlags Herder und der Verlagsgruppe Weltbild

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  • Mai

    Vom 24. bis 26. Mai besucht Papst Franziskus das Heilige Land. Jerusalem ist eine heilige Stadt für drei Religionen, die sich auf Abraham berufen: Juden, Christen und Muslime. Um ihren gemeinsamen Urvater und ihr mitunter schwieriges Miteinander geht es in der Mai-Ausgabe.