Die Themen des aktuellen Hefts

Christliche Brautleute sind nicht naiv

  • Das Thema

    Ehe und Familie

  • Im Wortlaut

    Vom Himmelreich und Waffenherstellern

  • Römische Notizen

    Prüfstein der Kirche

  • Seliger des Monats

    Papst Paul VI.

  • Wort für den Weg

    Das Sprechen von Gott

Editorial des aktuellen Hefts

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Papst

am 5. Oktober tritt im Vatikan eine Bischofssynode zum Thema Familie zusammen. Was bis vor wenigen Jahren als gediegenes Oberseminar für Seelsorge-Spezialisten gegolten hätte, weckt unter Franziskus öffentliches Interesse. Das liegt am Papst selbst. Franziskus wünscht sich kein Abnick-Forum, sondern echte Debatten, die echten Problemen gelten. Verhütung? Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene? Homosexuelle Partnerschaften? Im Vatikan werden viele Fragen verhandelt werden, die Menschen außerhalb des katholischen Orbits umtreiben – mehr dazu in der Römischen Notiz auf Seite 9. Was Franziskus über Ehe und Familie denkt, und welche Ratschläge er Verlobten gibt, das erfahren Sie auf den Seiten 2 bis 5. Unsere neue Rubrik „Der Pfarrer von Santa Marta“ mit den besten Auszügen aus den Morgenpredigten des Papstes fi nden Sie auf Seite 8. Und was Franziskus an Papst Paul VI. so sehr fasziniert, dass er ihn am 19. Oktober selig spricht, lesen Sie auf Seite 10.

Gute Lektüre wünscht Gudrun Sailer

Der neue Papst in Text und Bild

Stefan von Kempis: Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet

Papst

Franz von Assisi hatte einen Traum, in dem Gott zu ihm sagte: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Und in der Tat war es die franziskanische Bewegung, die die Kirche in vielen Zerreißproben lebendig hielt, die Ernst machte mit dem Glauben, in großer Liebe zu den einfachen und armen Menschen und zur Schöpfung. Dass der neue Papst sich diesen Namen gegeben hat, den vor ihm kein Papst trug, darf man als Programm verstehen und als Signal für den ersehnten Neuanfang. Dass in vieler Hinsicht die Kirche wieder aufgebaut werden muss, hat auch Benedikt XVI. gewusst, spätestens seit er durch den Bericht der drei Kardinäle über Intrigen und Seilschaften im Vatikan erkennen musste, dass seine Kraft allein nicht reichen würde, der Kirche die nötige Glaubwürdigkeit zurückzugeben, wenn die, die ihn eigentlich unterstützen sollten, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Dass das Konklave so überraschend schnell zu Ende ging, zeigt, dass die Kardinäle in den vorausgehenden Beratungen die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Schlüsse gezogen haben. Sie holten einen Mann, der Erfahrung in der Leitung einer großen Diözese und des damit verbundenen Apparates hat und der vor allem von außerhalb der Kurie kommt. Der also nicht verstrickt ist in das System aus Gefälligkeiten und offenen Rechnungen, Parteiungen und Seilschaften.

Franziskus I. sieht sich als Bischof, gemeinsam unterwegs mit dem Volk Gottes. Vor dem Hintergrund der Umstände der Wahl darf man das als Kritik am römischen Zentralismus und damit auch als Ansage an die Kurie verstehen. Er hat verstanden, dass die Menschen der Kirchenleitung wieder vertrauen müssen und dass auch die Kirchenleitung den Menschen vertrauen muss. Auch seine Bemerkung, dass die Kardinäle den neuen Pontifex „vom Ende der Welt“ holen mussten, darf man wohl so lesen: von möglichst weit weg von der Kurie, damit ein Neuanfang möglich wird. Benedikt XVI. hatte es versucht, und seine Kräfte haben nicht gereicht. Wünschen wir Papst Franziskus, dass er die Kraft hat, sich gegen erwartbare Widerstände durchzusetzen und zudem die im letzten Jahrzehnt entstandene Totalidentifikation von Amt und Person zu ertragen. Dieser neue Papst, der die Menschen mit „Guten Abend“ begrüßte und sich mit „Gute Nacht“ verabschiedete, erinnert in seiner Einfachheit an Johannes XXIII. Darin, dass er als Erstes ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du Maria für seinen Vorgänger betete, dass er am Anfang des „gemeinsamen Wegs“ um das Gebet der Gläubigen bat und um ihren Segen, bevor er sie segnete, zeigt sich ein liebenswürdiger und großartiger Mensch, der hoffen lässt.

Nach der Papstwahl 2005 wurde gesagt, dass Kardinal Bergoglio die zweitmeisten Stimmen gehabt und durch seinen Rücktritt den Weg für Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. frei gemacht habe. Nun hat Benedikt XVI. durch seinen Rücktritt den Weg frei gemacht für Jorge Mario Bergoglio/Franziskus I. Darin zeigt sich nicht nur, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist. Noch vielmehr zeigt sich darin, dass sie immer wieder in der Geschichte, so wie jetzt, auf fast unerklärliche Weise und wohl auch ein bisschen mit der Hilfe des Heiligen Geistes imstande ist, eine unglaubliche Kraft zur Reform und zum Neuanfang aufzubringen.

Burkhard Menke



Stefan von Kempis: Franziskus I. Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet
156 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos, durchgehend vierfarbig
€ 19,99 / SFr 28.90 / €[A] 20,60
ISBN 978-3-451-33408-5
Ein Gemeinschaftsprojekt des Verlags Herder und der Verlagsgruppe Weltbild

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  • November

    In der kommenden Ausgabe lesen Sie mehr über eines der wichtigsten Großereignisse des Mittelalters: das Konzil von Konstanz. Außerdem schreiben unsere Autoren über Mechthild von Hacke - born und über ein Thema, das nicht nur Katholiken, sondern alle Menschen angeht: das Aufbrechen.