Die Themen des aktuellen Hefts

Kommt, niemand ist von der Freude ausgeschlossen!

  • Das Thema

    Ode an die Freude

  • Im Wortlaut

    Zärtlichkeit und Heilung

  • Römische Notizen

    Geheimnisvolles Grabtuch

  • Heiliger des Monats

    Der Apostel der Deutschen

  • Wort für den Weg

    Wie findet der Herr dein Herz vor?

Editorial des aktuellen Hefts

Liebe Leserinnen und Leser,

Papst

Lachen als Liturgie? Kaum jemand weiß, dass es früher das „Ostergelächter“ gab. Man wollte zum Osterfest den Teufel verlachen, daher das „Risus paschalis“. Priester vom Spätmittelalter bis in den Barock rissen zu Ostern Witze und machten auch mal einen Handstand, um die Gläubigen zum Osterlachen zu reizen; die Menschen sollten die Freude über die Auferstehung Jesu emotional nachvollziehen. Zwar gingen Prediger der Reformation gegen dieses Lachens vor – trotzdem wird immer noch hier und da gelacht, sogar in der Kirche.

Zwar ist die Kanzel keine Bütt. Und doch gehört die Freude zum Christentum. Paulus schrieb den Korinthern eine „Narrenrede“, die sich heute noch im Karneval vortragen ließe (vgl. 2 Kor 11). Ja, sogar der Name Isaak kommt vom hebräischen „sahaq“ („lachen“): „Gott ließ mich lachen“, sagt Sara, die Frau Abrahams (vgl. Gen 21, 3-6). Der Gott, der sich im Alten Testament als „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ vorstellt, er ist also auch ein Gott des Lachens. Ein Gott der Freude.

Herzlich,
Euer Stefan von Kempis




Aktuell: Auswertung unserer Umfrage zum Thema "Heilige" (PDF)

Der neue Papst in Text und Bild

Stefan von Kempis: Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet

Papst

Franz von Assisi hatte einen Traum, in dem Gott zu ihm sagte: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Und in der Tat war es die franziskanische Bewegung, die die Kirche in vielen Zerreißproben lebendig hielt, die Ernst machte mit dem Glauben, in großer Liebe zu den einfachen und armen Menschen und zur Schöpfung. Dass der neue Papst sich diesen Namen gegeben hat, den vor ihm kein Papst trug, darf man als Programm verstehen und als Signal für den ersehnten Neuanfang. Dass in vieler Hinsicht die Kirche wieder aufgebaut werden muss, hat auch Benedikt XVI. gewusst, spätestens seit er durch den Bericht der drei Kardinäle über Intrigen und Seilschaften im Vatikan erkennen musste, dass seine Kraft allein nicht reichen würde, der Kirche die nötige Glaubwürdigkeit zurückzugeben, wenn die, die ihn eigentlich unterstützen sollten, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Dass das Konklave so überraschend schnell zu Ende ging, zeigt, dass die Kardinäle in den vorausgehenden Beratungen die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Schlüsse gezogen haben. Sie holten einen Mann, der Erfahrung in der Leitung einer großen Diözese und des damit verbundenen Apparates hat und der vor allem von außerhalb der Kurie kommt. Der also nicht verstrickt ist in das System aus Gefälligkeiten und offenen Rechnungen, Parteiungen und Seilschaften.

Franziskus I. sieht sich als Bischof, gemeinsam unterwegs mit dem Volk Gottes. Vor dem Hintergrund der Umstände der Wahl darf man das als Kritik am römischen Zentralismus und damit auch als Ansage an die Kurie verstehen. Er hat verstanden, dass die Menschen der Kirchenleitung wieder vertrauen müssen und dass auch die Kirchenleitung den Menschen vertrauen muss. Auch seine Bemerkung, dass die Kardinäle den neuen Pontifex „vom Ende der Welt“ holen mussten, darf man wohl so lesen: von möglichst weit weg von der Kurie, damit ein Neuanfang möglich wird. Benedikt XVI. hatte es versucht, und seine Kräfte haben nicht gereicht. Wünschen wir Papst Franziskus, dass er die Kraft hat, sich gegen erwartbare Widerstände durchzusetzen und zudem die im letzten Jahrzehnt entstandene Totalidentifikation von Amt und Person zu ertragen. Dieser neue Papst, der die Menschen mit „Guten Abend“ begrüßte und sich mit „Gute Nacht“ verabschiedete, erinnert in seiner Einfachheit an Johannes XXIII. Darin, dass er als Erstes ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du Maria für seinen Vorgänger betete, dass er am Anfang des „gemeinsamen Wegs“ um das Gebet der Gläubigen bat und um ihren Segen, bevor er sie segnete, zeigt sich ein liebenswürdiger und großartiger Mensch, der hoffen lässt.

Nach der Papstwahl 2005 wurde gesagt, dass Kardinal Bergoglio die zweitmeisten Stimmen gehabt und durch seinen Rücktritt den Weg für Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. frei gemacht habe. Nun hat Benedikt XVI. durch seinen Rücktritt den Weg frei gemacht für Jorge Mario Bergoglio/Franziskus I. Darin zeigt sich nicht nur, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist. Noch vielmehr zeigt sich darin, dass sie immer wieder in der Geschichte, so wie jetzt, auf fast unerklärliche Weise und wohl auch ein bisschen mit der Hilfe des Heiligen Geistes imstande ist, eine unglaubliche Kraft zur Reform und zum Neuanfang aufzubringen.

Burkhard Menke



Stefan von Kempis: Franziskus I. Der neue Papst – Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet
156 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos, durchgehend vierfarbig
€ 19,99 / SFr 28.90 / €[A] 20,60
ISBN 978-3-451-33408-5
Ein Gemeinschaftsprojekt des Verlags Herder und der Verlagsgruppe Weltbild

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  • August/September

    Die „Ökologie des Menschen“ ist für Franziskus ein Schlüsselbegriff. In der nächsten Ausgabe erfahren Sie, weshalb dieser Begriff so wichtig und so faszinierend ist. Außerdem im Heft: Gott als Schöpfer und unsere Verantwortung für die Schöpfung. Und natürlich wieder Überraschendes und Neues aus dem Vatikan.